Schließung der KuFa Mühlhausen: Wer Kultur zerstört, zerstört gesellschaftlichen Zusammenhalt
Mit großer Bestürzung nehmen Die Linke Unstrut-Hainich und Stadtratsmitglied Steffen Thormann (Die Linke) die Schließung der Kulturfabrik (KuFa) Mühlhausen zur Kenntnis und fordern Aufklärung.
„Hier geht nicht einfach ein Club verloren, hier verschwindet ein Stück Mühlhausen. Wer zulässt, dass ein solcher Ort verloren geht, sendet ein verheerendes Signal an alle, die sich ehrenamtlich für unsere Stadt einsetzen. Für die Mühlhäuser Kulturszene ist das ein herber Rückschlag. Wer Kultur zerstört, zerstört gesellschaftlichen Zusammenhalt“, erklärt Stadtratsmitglied Steffen Thormann.
Besonders brisant sind die Eigentumsverhältnisse des Objekts im Ledernen Käppchen. Wie die Thüringer Allgemeine Mühlhausen berichtet (26.06.) war Jan Riemann bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Mühlhausen Verpächter des Gebäudes. Heute gehört es der „R&S Immobilien GbR“, die Firma wird von seinem Vater Volker Riemann geführt. Sofern es, wie vom Verein geschildert, zu einer Umwidmung von Geschäfts- in Wohnräume gekommen ist, fällt die Entscheidung hierüber in den Zuständigkeitsbereich der Bauaufsicht und damit in das Dezernat von Baubürgermeister Jan Riemann.
Wir fordern deshalb vollständige Transparenz über die Hintergründe der Schließung und darüber, welche Rolle das zuständige Dezernat und Bürgermeister Jan Riemann in diesem Verfahren gespielt haben. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, warum eine etablierte Kulturinstitution ihre Arbeit einstellen muss und ob politische Entscheidungen oder behördliches Handeln dazu beigetragen haben. Politische Verantwortung darf dabei nicht ausgeblendet werden.
Nach Angaben des Trägervereins wurde der Weiterbetrieb durch das Verhalten des Vermieters (R&S Immobilien) unmöglich gemacht. Damit verliert Mühlhausen eine seiner wichtigsten freien Kulturinstitutionen. Hunderte Stunden ehrenamtlicher Arbeit werden mit einem Federstrich entwertet. Ebenso wie mehr als 60.000 Euro Fördermittel, durch den Verein beantragt wurden und den Eigentümern zur Wertsteigerung geholfen haben. Der Verein „mühlhäuser cooltour e.V.“ hatte das traditionsreiche Kulturobjekt 2021 übernommen und mit großem ehrenamtlichem Engagement sowie erheblicher Eigenleistung saniert.
Gerade in Zeiten, in denen freie Kultur- und Begegnungsräume wichtiger denn je sind, ist der Verlust der KuFa ein kulturpolitisches Armutszeugnis. Eine Stadt, die ihre freien Kulturorte verliert, verliert ein Stückihrer Seele. Was über Jahrzehnte mit Leidenschaft aufgebaut wurde, lässt sich nicht einfach ersetzen.
Unser Dank gilt den vielen Ehrenamtlichen, Vereinsmitgliedern sowie Unterstützerinnen und Unterstützern der KuFa. Sie haben über Jahre eindrucksvoll bewiesen, was bürgerschaftliches Engagement für eine Stadt leisten kann. Dass ihr Einsatz nun ein solches Ende findet, ist bitter. Die KuFa wird in Mühlhausen eine schmerzliche Lücke hinterlassen.
